COVID-19 vs. E-Learning

Lesedauer

8 Minuten

Thema

COVID-19

COVID-19 hier, Homeoffice da. Was zurzeit die weltweite mediale Berichterstattung dominiert, dominiert auch meine Gefühlslage als Kleinunternehmer und Arbeitgeber. Ich möchte euch meine Perspektive auf die aktuelle Ausnahmesituation etwas näherbringen und euch aufzeigen, welch zerklüftete Gefühlslandschaft sich vor mir erstreckt. Ein Blogbeitrag über hohe Berge und tiefe Schluchten. Über Ängste und grosse Hoffnungen.

Der Schein trügt

7. April, 11:07 Uhr: Ich stehe mit einer Tasse Kaffee in der Hand am Fenster meines Homeoffice. Es herrscht strahlend schönes Wetter und der Frühling nimmt langsam so richtig Fahrt auf. Die Vögel zwitschern, Forsythien und Apfelbäume blühen in den umliegenden Gärten und von Zeit zu Zeit huscht eine Katze vorbei. Während ich so nach draussen schaue und mich an den spriessenden Radieschen im eigenen Hochbeet erfreue, kommt plötzlich wieder dieses flaue Gefühl zurück. Ein Gefühl, das der aktuell herrschenden Gesamtsituation geschuldet ist, die im krassen Gegensatz zu dem steht, was ich gerade sehe. Diese Situation hat nichts mit Wachstum, Spriessen, wieder zum Leben erwecken, Liebe, Wärme, Sonne oder dergleichen zu tun. Ich würde sie eher mit dem Monat November, mit plötzlich auftretender Kälte, Nebel oder Regen vergleichen. COVID-19 trifft uns unverhofft und mit voller Wucht. Gerade als Unternehmer stellt man sich plötzlich Fragen, die vor kurzem so weit weg schienen. Man sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, von denen man nicht mal im Traum heimgesucht wurde.

Sicht aus dem Fenster bei Simon

E-Learning, jetzt erst recht!

E-Learning, oft auch als “Distance Learning” bezeichnet, wäre doch gerade in Zeiten von Social Distancing eine hervorragende Möglichkeit, den Informations- und Wissenstransfer an Schulen und in Unternehmen aufrecht zu erhalten. Stimmt. Doch ist E-Learning in den allermeisten Fällen mehr, als das einfache Implementieren einer neuen Software. Und deshalb gibt es leider doch einige triftige Gründe dafür, warum COVID-19 auch uns als E-Learning Agentur trifft:

Kultur / Strategie

Mit der systematischen Einführung von E-Learning in ein Unternehmen geht ein Kulturwechsel einher. Neue Rollen werden geschaffen und Infrastruktur wird benötigt. Diese neue Philosophie sollte in der Strategie eines Unternehmens verankert und von allen Beteiligten gelebt werden. Nur so kann der Wechsel sinnvoll eingeleitet und die neue Lehr- und Lernkultur nachhaltig im Unternehmen etabliert werden. Das braucht Überzeugung, Mut, Ressourcen und Zeit. Alles kostbare Güter, mit denen in diesen Krisenzeiten sehr sparsam und bewusst umgegangen werden muss. Dass in den ersten Wochen die Priorität auf dem Erhalt der “überlebenswichtigen Funktionen” eines Unternehmens liegt und an keine “Schönheitsoperationen” zu denken ist, liegt auf der Hand und ist nachvollziehbar – auch wenn sich die Investition in E-Learning in (fast) jedem Fall lohnen würde.

Stakeholder

Ein anderer Grund, warum E-Learning Projekte zurzeit einen schweren Stand haben, sind die vielen involvierten Stakeholder. Will man ein neues Online-Training auf die Beine stellen, so sind nebst einer externen Agentur wie uns nicht selten folgende Parteien am Projekt beteiligt: Projektleiter/in, Personen mit dem Fachwissen, jemand aus der Marketingabteilung, jemand aus der IT, Person aus der Personalentwicklung. Unter diesen Umständen reicht schon eine Person, die in einen Krisenstab beordert wird, eine Frau, die auf Kurzarbeit umstellen musste oder ein Mann, der seine Prioritätenliste kurzfristig umsortieren muss und das komplette Projekt liegt auf Eis. Verständlich aber ärgerlich für alle Beteiligten.

Budget Stopp

Wer Kurzarbeit anmelden muss oder einen kurzfristigen Kredit aufnimmt, schwimmt nicht in Geld. Mehr noch: Unternehmen, die von der Pandemie besonders betroffen sind, deren Umsätze förmlich einbrechen, müssen Budgets, die eigentlich bereits eingeplant wurden, stoppen. Und mit ihnen viele Investitionen und Projekte.

Blauer Himmel mit Sonnenschein

Wo Schatten ist, ist auch Licht

Kommen wir als Firma unbeschadet aus dieser Situation raus? Das kann ich leider nicht beantworten. Erstens, weil wir nicht wissen, wie lange die “ausserordentliche Lage” noch anhält. Und zweitens, weil uns auch in dieser von einem dichten Nebel umhüllten Position einige Sonnenstrahlen treffen, die mich zuversichtlich stimmen:

Kurzfristige Unterstützung

Ein paar Abschnitte weiter oben habe ich davon gesprochen, dass mit der Einführung von E-Learning ein Kulturwechsel einher geht. Das stimmt nicht in jedem Fall. Es gibt Situationen, in denen Wissen möglichst schnell, demnach pragmatisch aber nicht minder didaktisch wertvoll, digital aufbereitet werden muss, um es anschliessend online zu verbreiten. Hier ein paar Beispiele, die wir in den letzten Tagen und Wochen z. T. begleiten durften:

  • Online-Training für die Bedienung von Beatmungsgeräten
  • Online-Wissensdatenbank für Mitarbeitende des Amts für Wirtschaft und Arbeit zum Thema “Kurzarbeitsentschädigung”
  • Online-Training für die Bedienung von Software, die im Homeoffice verwendet werden muss
  • Online-Training zu Regeln / Tipps im Homeoffice
  • Online-Ratgeber, um die psychische Gesundheit während COVID-19 aufrecht zu erhalten

Umdenken findet statt

LinkedIn und co. sind voll davon: Ratschlägen und Erfahrungsberichten aus dem Homeoffice. Mal belehrend, mal lustig, mal mit nützlichen Tipps, mal etwas dünn an Informationsgehalt. Über Sinn und Unsinn dieser Beiträge lässt sich streiten, wir haben hier vor rund zwei Wochen ja ins selbe Horn gestossen. Doch sind sie ein Beweis dafür, dass sich “Distance Working” langsam etabliert, “Distance Collaboration” alltäglich wird und eben auch die vielen Mehrwerte von “Distance Learning” erkannt werden. Eine Entwicklung, die durch die steigenden Zugriffe auf Online-Angebote auch empirisch belegt wird und uns ganz besonders freut.

Technische Infrastruktur wird ausgebaut

Leider hatten wir in der Vergangenheit immer mal wieder mit fehlender oder unzureichender Infrastruktur zu kämpfen. Schlechte Datenleitungen, mangelhafte oder gar fehlende Hardware oder kein Zutritt zu Netzwerken oder Systemen waren Hürden, mit denen wir uns nicht selten konfrontiert sahen. Diese scheinen sich nun wie von Zauberhand aufzulösen. Die Digitalisierung wird durch COVID-19 mittelfristig einen Boom erleben, da bin ich mir sicher. Und davon profitiert auch die E-Learning Branche.

Neuer Schulungsbedarf

Zum Einen sorgt die fortschreitende Digitalisierung dafür, dass bestehende Schulungen durch Online-Trainings ergänzt bzw. ersetzt werden. Zum anderen erscheinen neue Themen auf der Agenda, die ebenfalls geschult werden müssen. Allen voran die Bedienung der neuen Systeme und Tools oder das immer wichtiger werdende Thema IT-Security. Auch das spielt uns in die Karten.

Eine Analogie zur Impfung

Nun zu meinem Fazit: Irgendwie erkenne ich in der Situation, in der ich mich als Unternehmer befinde, eine Analogie zum Virus, das die Welt zum Stillstand gebracht hat. Und ich bin überzeugt, dass dieser Konjunktur-Virus uns in einer Dosis befällt, die uns zwar kurzfristig schwächt, bei der wir uns jedoch nach überstandener Krankheit immun oder zumindest mit einem stärkeren Immunsystem aus dem Bett erheben. Dafür geben wir jeden Tag unser Bestes.

Bleibt gesund!

Euer Simon

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COVID-19 vs. E-Learning

Autor: Simon

Lesedauer: 8 Minuten

Thema: COVID-19

COVID-19 hier, Homeoffice da. Was zurzeit die weltweite mediale Berichterstattung dominiert, dominiert auch meine Gefühlslage als Kleinunternehmer und Arbeitgeber. Ich möchte euch meine Perspektive auf die aktuelle Ausnahmesituation etwas näherbringen und euch aufzeigen, welch zerklüftete Gefühlslandschaft sich vor mir erstreckt. Ein Blogbeitrag über hohe Berge und tiefe Schluchten. Über Ängste und grosse Hoffnungen.

Der Schein trügt

7. April, 11:07 Uhr: Ich stehe mit einer Tasse Kaffee in der Hand am Fenster meines Homeoffice. Es herrscht strahlend schönes Wetter und der Frühling nimmt langsam so richtig Fahrt auf. Die Vögel zwitschern, Forsythien und Apfelbäume blühen in den umliegenden Gärten und von Zeit zu Zeit huscht eine Katze vorbei. Während ich so nach draussen schaue und mich an den spriessenden Radieschen im eigenen Hochbeet erfreue, kommt plötzlich wieder dieses flaue Gefühl zurück. Ein Gefühl, das der aktuell herrschenden Gesamtsituation geschuldet ist, die im krassen Gegensatz zu dem steht, was ich gerade sehe. Diese Situation hat nichts mit Wachstum, Spriessen, wieder zum Leben erwecken, Liebe, Wärme, Sonne oder dergleichen zu tun. Ich würde sie eher mit dem Monat November, mit plötzlich auftretender Kälte, Nebel oder Regen vergleichen. COVID-19 trifft uns unverhofft und mit voller Wucht. Gerade als Unternehmer stellt man sich plötzlich Fragen, die vor kurzem so weit weg schienen. Man sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, von denen man nicht mal im Traum heimgesucht wurde.

E-Learning, jetzt erst recht!

E-Learning, oft auch als “Distance Learning” bezeichnet, wäre doch gerade in Zeiten von Social Distancing eine hervorragende Möglichkeit, den Informations- und Wissenstransfer an Schulen und in Unternehmen aufrecht zu erhalten. Stimmt. Doch ist E-Learning in den allermeisten Fällen mehr, als das einfache Implementieren einer neuen Software. Und deshalb gibt es leider doch einige triftige Gründe dafür, warum COVID-19 auch uns als E-Learning Agentur trifft:

Kultur / Strategie

Mit der systematischen Einführung von E-Learning in ein Unternehmen geht ein Kulturwechsel einher. Neue Rollen werden geschaffen und Infrastruktur wird benötigt. Diese neue Philosophie sollte in der Strategie eines Unternehmens verankert und von allen Beteiligten gelebt werden. Nur so kann der Wechsel sinnvoll eingeleitet und die neue Lehr- und Lernkultur nachhaltig im Unternehmen etabliert werden. Das braucht Überzeugung, Mut, Ressourcen und Zeit. Alles kostbare Güter, mit denen in diesen Krisenzeiten sehr sparsam und bewusst umgegangen werden muss. Dass in den ersten Wochen die Priorität auf dem Erhalt der “überlebenswichtigen Funktionen” eines Unternehmens liegt und an keine “Schönheitsoperationen” zu denken ist, liegt auf der Hand und ist nachvollziehbar – auch wenn sich die Investition in E-Learning in (fast) jedem Fall lohnen würde.

Stakeholder

Ein anderer Grund, warum E-Learning Projekte zurzeit einen schweren Stand haben, sind die vielen involvierten Stakeholder. Will man ein neues Online-Training auf die Beine stellen, so sind nebst einer externen Agentur wie uns nicht selten folgende Parteien am Projekt beteiligt: Projektleiter/in, Personen mit dem Fachwissen, jemand aus der Marketingabteilung, jemand aus der IT, Person aus der Personalentwicklung. Unter diesen Umständen reicht schon eine Person, die in einen Krisenstab beordert wird, eine Frau, die auf Kurzarbeit umstellen musste oder ein Mann, der seine Prioritätenliste kurzfristig umsortieren muss und das komplette Projekt liegt auf Eis. Verständlich aber ärgerlich für alle Beteiligten.

Budget Stopp

Wer Kurzarbeit anmelden muss oder einen kurzfristigen Kredit aufnimmt, schwimmt nicht in Geld. Mehr noch: Unternehmen, die von der Pandemie besonders betroffen sind, deren Umsätze förmlich einbrechen, müssen Budgets, die eigentlich bereits eingeplant wurden, stoppen. Und mit ihnen viele Investitionen und Projekte.
Blauer Himmel mit Sonnenschein

Wo Schatten ist, ist auch Licht

Kommen wir als Firma unbeschadet aus dieser Situation raus? Das kann ich leider nicht beantworten. Erstens, weil wir nicht wissen, wie lange die “ausserordentliche Lage” noch anhält. Und zweitens, weil uns auch in dieser von einem dichten Nebel umhüllten Position einige Sonnenstrahlen treffen, die mich zuversichtlich stimmen:

Kurzfristige Unterstützung

Ein paar Abschnitte weiter oben habe ich davon gesprochen, dass mit der Einführung von E-Learning ein Kulturwechsel einher geht. Das stimmt nicht in jedem Fall. Es gibt Situationen, in denen Wissen möglichst schnell, demnach pragmatisch aber nicht minder didaktisch wertvoll, digital aufbereitet werden muss, um es anschliessend online zu verbreiten. Hier ein paar Beispiele, die wir in den letzten Tagen und Wochen z. T. begleiten durften:
  • Online-Training für die Bedienung von Beatmungsgeräten
  • Online-Wissensdatenbank für Mitarbeitende des Amts für Wirtschaft und Arbeit zum Thema “Kurzarbeitsentschädigung”
  • Online-Training für die Bedienung von Software, die im Homeoffice verwendet werden muss
  • Online-Training zu Regeln & Tipps im Homeoffice
  • Online-Ratgeber, um die psychische Gesundheit während COVID-19 aufrecht zu erhalten

Umdenken findet statt

LinkedIn und co. sind voll davon: Ratschlägen und Erfahrungsberichten aus dem Homeoffice. Mal belehrend, mal lustig, mal mit nützlichen Tipps, mal etwas dünn an Informationsgehalt. Über Sinn und Unsinn dieser Beiträge lässt sich streiten, wir haben hier vor rund zwei Wochen ja ins selbe Horn gestossen. Doch sind sie ein Beweis dafür, dass sich “Distance Working” langsam etabliert, “Distance Collaboration” alltäglich wird und eben auch die vielen Mehrwerte von “Distance Learning” erkannt werden. Eine Entwicklung, die durch die steigenden Zugriffe auf Online-Angebote auch empirisch belegt wird und uns ganz besonders freut.

Technische Infrastruktur wird ausgebaut

Leider hatten wir in der Vergangenheit immer mal wieder mit fehlender oder unzureichender Infrastruktur zu kämpfen. Schlechte Datenleitungen, mangelhafte oder gar fehlende Hardware oder kein Zutritt zu Netzwerken oder Systemen waren Hürden, mit denen wir uns nicht selten konfrontiert sahen. Diese scheinen sich nun wie von Zauberhand aufzulösen. Die Digitalisierung wird durch COVID-19 mittelfristig einen Boom erleben, da bin ich mir sicher. Und davon profitiert auch die E-Learning Branche.

Neuer Schulungsbedarf

Zum Einen sorgt die fortschreitende Digitalisierung dafür, dass bestehende Schulungen durch Online-Trainings ergänzt bzw. ersetzt werden. Zum anderen erscheinen neue Themen auf der Agenda, die ebenfalls geschult werden müssen. Allen voran die Bedienung der neuen Systeme und Tools oder das immer wichtiger werdende Thema IT-Security. Auch das spielt uns in die Karten.

Eine Analogie zur Impfung

Nun zu meinem Fazit: Irgendwie erkenne ich in der Situation, in der ich mich als Unternehmer befinde, eine Analogie zum Virus, das die Welt zum Stillstand gebracht hat. Und ich bin überzeugt, dass dieser Konjunktur-Virus uns in einer Dosis befällt, die uns zwar kurzfristig schwächt, bei der wir uns jedoch nach überstandener Krankheit immun oder zumindest mit einem stärkeren Immunsystem aus dem Bett erheben. Dafür geben wir jeden Tag unser Bestes.
Bleibt gesund!
Euer Simon
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