Korruption – (k)ein Problem?

Lesedauer

7 Minuten

Thema

Projekt

Die Schweiz belegt im Korruptionsranking von Transparency International mit 85 von 100 möglichen Punkten Rang 3. Ein Wert von 100 bedeutet, dass keine Korruption wahrgenommen wird, ein Wert von 0 bedeutet ein Höchstmass an Korruption. 85 Punkte, das ist ein guter Wert. Die 15 fehlenden Punkte bedeuten aber, dass korruptes Verhalten auch in der Schweiz stattfindet. Wird korruptes Verhalten publik, hat das Konsequenzen: Von Reputationsverlust über Geld- bis hin zu Gefängnisstrafen. Reputationsverlust ist besonders für Unternehmen fatal. Daher werden präventiv Massnahmen ergriffen – die Migros-Gruppe setzt u. a. auf die Wissensvermittlung über E-Learning. Und dabei durften wir sie unterstützen.

Korruption – die scheinbare Win-Win-Situation

Als Korruption gilt jeder Missbrauch einer Vertrauensstellung zur Erlangung eines ungerechtfertigten Vorteils. Unter Korruption fällt dabei das Verhalten beider Seiten: der Person, welche ihre Vertrauensstellung missbraucht, und der Person, die dafür einen nicht gebührenden Vorteil einräumts davon . Korruptes Verhalten wie zum Beispiel Bestechung und Vorteilsgewährung stellt für viele Unternehmen eine grosse Herausforderung dar. Oft hängt viel davon ab, ob eine Ausschreibung gewonnen, eine Bewilligung erteilt oder ein Vertrag abgeschlossen wird. Die Idee, “dem Schicksal etwas auf die Sprünge zu helfen”, führt da so manche(n) in Versuchung. Hinzu kommt, dass bei korruptem Verhalten auf den ersten Blick oft kein direkter Schaden oder ein Opfer erkennbar ist. Vielmehr führt es scheinbar für alle Beteiligten zu einer Win-Win-Situation.Ein Beispiel:

Ein Bauunternehmen besticht den Gemeinderat, damit er ihm den Auftrag für den Bau eines Schulhauses erteilt. Dabei profitieren beide: Die Gemeinde hat weniger Aufwand und schneller ein neues Schulhaus und der Bauunternehmer hat einen sicheren Grossauftrag. Passt doch, oder?

Nein. Denn was ist, wenn aufgrund der Bestechung nicht das beste Bauunternehmen gewählt wurde? Wer trägt den Schaden? Richtig, die Gemeinde und somit die Steuerzahler. Und so schnell wird Win-Win zu Win-Lose.

Korruptionsbekämpfung

Korruption hat zahlreiche Facetten. Allen gemeinsam ist, dass sie sehr hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten verursachen. Entsprechend finden sich Bestimmungen zur Bekämpfung von Korruption in der gesamten Rechtsordnung der Schweiz. Die Regelungen werden stetig verschärft, was früher als Kavaliersdelikt galt, wird heute häufiger verfolgt und strenger bestraft. Bestechung zwischen Privatpersonen und Amtsträgern wird z. B. mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, Bestechung unter Privatpersonen mit drei Jahren und/oder hohen Geldstrafen bestraft.Aber nicht nur natürliche Personen haften. Bei Bestechung kann auch das Unternehmen haftbar gemacht und bestraft werden. Gemäss Art. 102 StGB kann sich ein Unternehmen in zwei Fällen für Korruptionstaten natürlicher Personen (sprich seiner Mitarbeitenden) strafbar machen:

  1. Wenn ihm vorzuwerfen ist, dass es nicht alle erforderlichen und zumutbaren organisatorischen Vorkehrungen getroffen hat, um eine Korruptionstat zu verhindern.
  2. Wenn eine Korruptionstat wegen mangelhafter Organisation des Unternehmens keiner bestimmten natürlichen Person zugerechnet werden kann.

Ein Korruptionsskandal kann für ein Unternehmen fatale Folgen haben. Neben hohen Kosten leidet die Reputation schwer, ein einziger Korruptionsskandal kann den guten Ruf innert kürzester Zeit ruinieren. Daher gilt es, Massnahmen zu ergreifen, damit es nicht zu (un-)beabsichtigtem korruptem Handeln kommt. Eine Massnahme ist, die Mitarbeitenden zu informieren und ihnen eine Richtschnur für integres und transparentes Handeln zu geben. Und genau das macht das grösste Detailhandelsunternehmen der Schweiz – die Migros.

Wissen verbreiten – digital, verständlich und praxisnah

Die Grundhaltung der Migros-Gruppe zum Thema Korruption ist im Verhaltenskodex verankert. Der Auszug zum Thema Korruption sieht wie folgt aus:

Das tönt gut, ist aber noch wenig greifbar. Alleine der Satz «Einzelne geringfügige und geschäftsübliche Höflichkeitsgeschenke oder Einladungen können wir ausnahmsweise akzeptieren.» enthält mehr Fragezeichen als Antworten, oder weisst du, wie die Begriffe “geringfügig”, “geschäftsübliche” und “ausnahmsweise” verstanden werden sollen? Eben.

Eine Botschaft in einem Video oder eine Mail mit ein paar Sätzen reicht also nicht, um dieses wichtige aber komplexe Thema so zu vermitteln, dass die Mitarbeitenden es auch verstehen und das Gelernte anwenden können. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit dem Migros-Genossenschafts-Bund eine Online-Schulung konzipiert und realisiert, die aus einem wissensvermittelnden Teil – dem Lernprogramm – und einem Online-Test besteht .

Aufbau und Umsetzung des Lernprogramms

Ein attraktiver Einstieg in ein Lernprogramm ist wichtig, um die Aufmerksamkeit der Lernenden zu wecken und die Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Das geschieht hier, indem der Verhaltenskodex in einem attraktiven Video vorgestellt wird:

Nach dem einleitenden Teil, werden im Lernprogramm grob vier Themenbereiche behandelt:

  1. Unerlaubte Verhaltensweisen
  2. Geschenke und Einladungen
  3. Korruption international
  4. Anlaufstellen

Um diese oft abstrakten Zusammenhänge und Konstrukte so greifbar wie möglich zu machen, haben wir viel mit fiktiven aber realistischen Beispielen gearbeitet. Anhand dieser werden Probleme, Konsequenzen und richtiges Handeln aufgezeigt. Das sieht dann z. B. so aus:

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Um sich als Unternehmen optimal zu schützen, reicht das alleinige Verbreiten eines Lernprogramms zum Thema “Korruptionsprävention” nicht aus. Im Ernstfall muss nachgewiesen werden können, dass die Mitarbeitenden dieses absolviert und die Inhalte verstanden haben. Dies geschieht in unserem Schulungsszenario anhand eines ausgeklügelten Online-Tests direkt auf der Lernplattform: Darin müssen die Mitarbeitenden verschiedene Fälle beurteilen und korruptes Verhalten erkennen. Die Testergebnisse können von den Verantwortlichen schnell und einfach eingesehen werden.

Funfact: Premiere für HK learning

Korruption muss trotz der Verschiedenheit von Kulturen und Traditionen weltweit bekämpft werden. Da die Migros ein international tätiges Unternehmen ist und u. a. auch Büros in Hong Kong hat, kam es bei diesem Projekt für uns zu einer Premiere: Wir erstellten eine Chinesische Version des Lernprogramms. Und da haben wir dann wirklich nur im übertragenen Sinne Chinesisch verstanden!

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Korruption – (k)ein Problem?

Autor: Simone

Lesedauer: 7 Minuten

Thema: Projekt

Die Schweiz belegt im Korruptionsranking von Transparency International mit 85 von 100 möglichen Punkten Rang 3. Ein Wert von 100 bedeutet, dass keine Korruption wahrgenommen wird, ein Wert von 0 bedeutet ein Höchstmass an Korruption. 85 Punkte, das ist ein guter Wert. Die 15 fehlenden Punkte bedeuten aber, dass korruptes Verhalten auch in der Schweiz stattfindet. Wird korruptes Verhalten publik, hat das Konsequenzen: Von Reputationsverlust über Geld- bis hin zu Gefängnisstrafen. Reputationsverlust ist besonders für Unternehmen fatal. Daher werden präventiv Massnahmen ergriffen – die Migros-Gruppe setzt u. a. auf die Wissensvermittlung über E-Learning. Und dabei durften wir sie unterstützen.

Korruption – die scheinbare Win-Win-Situation

Als Korruption gilt jeder Missbrauch einer Vertrauensstellung zur Erlangung eines ungerechtfertigten Vorteils. Unter Korruption fällt dabei das Verhalten beider Seiten: der Person, welche ihre Vertrauensstellung missbraucht, und der Person, die dafür einen nicht gebührenden Vorteil einräumts davon . Korruptes Verhalten wie zum Beispiel Bestechung und Vorteilsgewährung stellt für viele Unternehmen eine grosse Herausforderung dar. Oft hängt viel davon ab, ob eine Ausschreibung gewonnen, eine Bewilligung erteilt oder ein Vertrag abgeschlossen wird. Die Idee, “dem Schicksal etwas auf die Sprünge zu helfen”, führt da so manche(n) in Versuchung. Hinzu kommt, dass bei korruptem Verhalten auf den ersten Blick oft kein direkter Schaden oder ein Opfer erkennbar ist. Vielmehr führt es scheinbar für alle Beteiligten zu einer Win-Win-Situation.
Ein Beispiel:
Ein Bauunternehmen besticht den Gemeinderat, damit er ihm den Auftrag für den Bau eines Schulhauses erteilt. Dabei profitieren beide: Die Gemeinde hat weniger Aufwand und schneller ein neues Schulhaus und der Bauunternehmer hat einen sicheren Grossauftrag. Passt doch, oder?
Nein. Denn was ist, wenn aufgrund der Bestechung nicht das beste Bauunternehmen gewählt wurde? Wer trägt den Schaden? Richtig, die Gemeinde und somit die Steuerzahler. Und so schnell wird Win-Win zu Win-Lose.

Korruptionsbekämpfung

Korruption hat zahlreiche Facetten. Allen gemeinsam ist, dass sie sehr hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten verursachen. Entsprechend finden sich Bestimmungen zur Bekämpfung von Korruption in der gesamten Rechtsordnung der Schweiz. Die Regelungen werden stetig verschärft, was früher als Kavaliersdelikt galt, wird heute häufiger verfolgt und strenger bestraft. Bestechung zwischen Privatpersonen und Amtsträgern wird z. B. mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, Bestechung unter Privatpersonen mit drei Jahren und/oder hohen Geldstrafen bestraft.
Aber nicht nur natürliche Personen haften. Bei Bestechung kann auch das Unternehmen haftbar gemacht und bestraft werden. Gemäss Art. 102 StGB kann sich ein Unternehmen in zwei Fällen für Korruptionstaten natürlicher Personen (sprich seiner Mitarbeitenden) strafbar machen:
  1. Wenn ihm vorzuwerfen ist, dass es nicht alle erforderlichen und zumutbaren organisatorischen Vorkehrungen getroffen hat, um eine Korruptionstat zu verhindern.
  2. Wenn eine Korruptionstat wegen mangelhafter Organisation des Unternehmens keiner bestimmten natürlichen Person zugerechnet werden kann.
Ein Korruptionsskandal kann für ein Unternehmen fatale Folgen haben. Neben hohen Kosten leidet die Reputation schwer, ein einziger Korruptionsskandal kann den guten Ruf innert kürzester Zeit ruinieren. Daher gilt es, Massnahmen zu ergreifen, damit es nicht zu (un-)beabsichtigtem korruptem Handeln kommt. Eine Massnahme ist, die Mitarbeitenden zu informieren und ihnen eine Richtschnur für integres und transparentes Handeln zu geben. Und genau das macht das grösste Detailhandelsunternehmen der Schweiz – die Migros.

Wissen verbreiten – digital, verständlich und praxisnah

Die Grundhaltung der Migros-Gruppe zum Thema Korruption ist im Verhaltenskodex verankert. Der Auszug zum Thema Korruption sieht wie folgt aus:
Das tönt gut, ist aber noch wenig greifbar. Alleine der Satz «Einzelne geringfügige und geschäftsübliche Höflichkeitsgeschenke oder Einladungen können wir ausnahmsweise akzeptieren.» enthält mehr Fragezeichen als Antworten, oder weisst du, wie die Begriffe “geringfügig”, “geschäftsübliche” und “ausnahmsweise” verstanden werden sollen? Eben.
Eine Botschaft in einem Video oder eine Mail mit ein paar Sätzen reicht also nicht, um dieses wichtige aber komplexe Thema so zu vermitteln, dass die Mitarbeitenden es auch verstehen und das Gelernte anwenden können. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit dem Migros-Genossenschafts-Bund eine Online-Schulung konzipiert und realisiert, die aus einem wissensvermittelnden Teil – dem Lernprogramm – und einem Online-Test besteht.

Aufbau und Umsetzung des Lernprogramms

Ein attraktiver Einstieg in ein Lernprogramm ist wichtig, um die Aufmerksamkeit der Lernenden zu wecken und die Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Das geschieht hier, indem der Verhaltenskodex in einem attraktiven Video vorgestellt wird:
Nach dem einleitenden Teil, werden im Lernprogramm grob vier Themenbereiche behandelt:
  1. Unerlaubte Verhaltensweisen
  2. Geschenke und Einladungen
  3. Korruption international
  4. Anlaufstellen
Um diese oft abstrakten Zusammenhänge und Konstrukte so greifbar wie möglich zu machen, haben wir viel mit fiktiven aber realistischen Beispielen gearbeitet. Anhand dieser werden Probleme, Konsequenzen und richtiges Handeln aufgezeigt. Das sieht dann z. B. so aus:

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Um sich als Unternehmen optimal zu schützen, reicht das alleinige Verbreiten eines Lernprogramms zum Thema “Korruptionsprävention” nicht aus. Im Ernstfall muss nachgewiesen werden können, dass die Mitarbeitenden dieses absolviert und die Inhalte verstanden haben. Dies geschieht in unserem Schulungsszenario anhand eines ausgeklügelten Online-Tests direkt auf der Lernplattform: Darin müssen die Mitarbeitenden verschiedene Fälle beurteilen und korruptes Verhalten erkennen. Die Testergebnisse können von den Verantwortlichen schnell und einfach eingesehen werden.

Funfact: Premiere für HK learning

Korruption muss trotz der Verschiedenheit von Kulturen und Traditionen weltweit bekämpft werden. Da die Migros ein international tätiges Unternehmen ist und u. a. auch Büros in Hong Kong hat, kam es bei diesem Projekt für uns zu einer Premiere: Wir erstellten eine Chinesische Version des Lernprogramms. Und da haben wir dann wirklich nur im übertragenen Sinne Chinesisch verstanden!
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